Radiosiegel-Volontäre auf Medienexkursion: Im ARD-Hauptstadtstudio – räumlich Nähe, journalistische Distanz

von Vincent Schuster (Volontär bei Radio Seefunk)

Als den „kleinen Kosmos Regierungsviertel Berlin“  beschreibt Marie von Mallinckrodt ihr Arbeitsumfeld. Ihr Büro liegt nur einen Steinwurf entfernt vom Reichstagsgebäude und dem Bundeskanzleramt, direkt an der Spree in Berlin-Mitte. Von Mallinckrodt ist Korrespondentin des Bayrischen Rundfunks im ARD-Hauptstadtstudio, einem fünfstöckigen Gebäude in der Wilhelmstraße. Erst seit dem Jahr 1999 gibt es das Studio als Gemeinschaftseinrichtung der neun Landesrundfunkanstalten und der Deutschen Welle. Hier berichten 70 Hörfunk- und TV-Korrespondenten für die 74 Programme der ARD – genauer, für 57 Radiosender und 17 Fernsehsender – über das bundespolitische Geschehen. Sie beobachten Fraktionssitzungen, halten Kontakt mit den Abgeordneten im Bundestag, klappern Ministerien ab oder schauen der Bundesregierung auf die Finger. Der “Bericht aus Berlin“, Live-Schalten ins Morgenmagazin und Nachrichtenbeiträge für die Tagesschau und Tagesthemen gehören beispielsweise zu den Aufgaben der Journalisten.

Der Autor & Volontär neben Maus & Elefant im ARD Hauptstadtstudio

Während im tagsüber geöffneten Infocenter mannshohe, kuschelige Ausgaben der orangenen Maus aus der „Sendung mit der Maus“ und ihres kleinen Elefantenfreundes stehen, geben politische Schwergewichte ein paar Stockwerke weiter oben Interviews. Eine spannende Tätigkeit, die Marie von Mallinckrodt seit drei Jahren ausübt. Ehe sie nach Berlin kam, absolvierte sie eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München, arbeitete für die WELT, den Kölner Stadtanzeiger und den Spiegel – bis sie beim ARD-Politmagazin „report München“ des Bayerischen Rundfunks eine Stelle antrat und unter anderem in den Auslandsstudios in Athen und Rom als Reporterin im Einsatz war. Auch Berlin wird nicht ihre letzte Station bleiben, denn: Wie im Hauptstadtstudio üblich wechseln die Korrespondenten in der Regel alle fünf Jahre – um die nötige politische Distanz zu wahren, heißt es dazu auf der Internetseite des Hauptstadtstudios zur Begründung.

Die gewünschte Objektivität leistet sich die ARD aber auch durch die vielen verschiedenen Korrespondenten, Kamerateam, Selbstfahrerstudios für den Notfall und zahllose Büro- und Konferenzräume, die zur Verfügung stehen. Für jeden Radio-Korrespondenten gibt es eine eigene kleine Redaktion, bestehend aus einem Schreibtisch mit Workstation und Mikrofon. So sind Live-Schalten oder Aufnahmen jederzeit möglich. Im TV-Studio mit dem bekannten Blick auf das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus werden Moderatoren und Gäste von über 100 Scheinwerfern in Szene gesetzt. Deshalb sei das auch der Raum, „in dem aus Radio Fernsehen wird – durch das Licht“, betont der Techniker am Mischpult. Neben den linearen Fernseh- und Radioprogrammen verlagert sich auch die Arbeit der Korrespondenten, wie in vielen anderen Medienbereichen aber zunehmend auch, ins Internet. Dort warten nicht nur Leser und Zuschauer, sondern auch neue Themengebiete. Die wirklich große Geschichte aber, so heißt es, erfährt man bei einem Kaffee, offline, im Vertrauen – irgendwo im politischen Kosmos Regierungsviertel Berlin.